Riepilogo um Palio vom 18. August

Zunächst einmal sei vorausgeschickt: Anda e Bola und Tittia geht es gut. Das ist nach einem nervenaufreibenden und außergewöhnlichen Palio dell‘Assunta die wohl wichtigste Nachricht. Aber wir wollen vorne beginnen: Durch den Regen, der uns leider in den Tagen des Palio die letzten Jahre begleitet, musste das Rennen gleich um zwei Tage, also auf den 18. August, verschoben werden. Das ist keine einfache Sache, der Spannungsbogen wird länger, die Anspannung bei Fantino und Barbero größer, die Reizbarkeit größer. Dementsprechend zog sich der Start auch enorm in die Länge, am Ende musste sogar kurz überlegt werden, ob es nicht vielleicht schon zu dunkel werde. Zwischendurch gab es ganze sieben Fehlstarts (wir zählen hier auch mit, wenn die Gespanne ohne das Fallen des Canapes wieder in den Ring zurückgeschickt werden), bei einem davon war bereits zu erkennen, wie sich Giovanni Atzeni detto Tittia mit Anda e Bola für Nicchio das Rennen vorstellte: Von Position acht aus gab er den Startzeitpunkt an, Carlo Sanna detto Brigante mit Benitos für Aquila aus der RincorsaPosition zog mit großem zeitlichen Abstand nach, weshalb Mossiere Renato Bircolotti den Start richtigerweise zurücknahm. Auf der Piazza kam bereits Unruhe auf, die sich zum Teil auch lautstark äußerte, weil mit zunehmender Dauer der mossa die verfeindeten Contraden Oca und Torre sowie Istrice und Lupa sich in die Quere kamen, obwohl die Startpositionen nicht unmittelbar nebeneinander lagen.

Bevor wir nun zum gelungenen Start kommen, wollen wir noch einmal kurz auf die Paare blicken. Favorisiert war, natürlich, Tittia mit Anda e Bola (4 Teilnahmen, 1 Sieg) bei Nicchio. Aber auch Lupa hatte mit Diodoro (3 Teilnahmen, 2 Siege) einen echten Bombolone gezogen, dazu auch noch den Sieger vom Juli. Da Tittia allerdings nicht für die Contrade antreten will, musste man sich mit Dino Pes detto Velluto einen anderen Fantino suchen. Als drittes Topduo ging dann noch Brigante mit Benitos (3 Teilnahmen, 1 Sieg) für Aquila ins Rennen. Dahinter waren es Onda mit Andrea Sanna detto Virgola und Viso d’Angelo (9 Teilnahmen), Istrice mit Federico Guglielmi detto Tamure und Ares Elce sowie Chiocciola mit Jonatan Bartoletti detto Scompiglio auf Arestetulesu (2 Teilnahmen), die sich kleine Hoffnungen machen konnten. Insbesondere bei letztgenanntem Fantino könnte es im Übrigen einer der letzten Palios gewesen sein. Selva mit Sebastiano Murtas detto Grandine auf Canarinu (2 Teilnahmen) und Torre mit Giuseppe Zedde detto Gingillo auf Donrodrigo (1 Teilnahme) waren lediglich Außenseiter, was natürlich auch für die zwei Esordiente galt, Oca mit Michel Putz detto Spago auf Diamante Sauro und Giraffa mit Elias Mannucci detto Turbine auf Euskaldi.

Dann aber war es doch noch so weit, wieder hatte sich Tittia jede Menge Platz geschaffen (gekauft) und deutlich ersichtlich hatte er auch Brigante für sich gewinnen können. So war es Nicchio, der mit leichtem Anlauf starten konnte, während Aquila leicht verspätet nachzog. Unverständlicherweise lies Bircolotti das Ganze nun aber durchgehen. Damit hatte Anda e Bola bereits direkt nach dem Start einen Vorsprung, den das Gespann, kurz gesagt, auch bis zum Ziel nicht mehr einbüßte. Ebenfalls gut weg vom Canape kamen Selva und Torre. In der ersten Curva Casato sah es kurz so aus, als ob Anda e Bola stolpern würde, doch das Pferd hielt sich auf den Beinen. Es war die einzige Schwierigkeit in diesem Rennen, denn keiner der Kontrahenten konnte, oder wollte, ernsthaft einen Angriff auf die Spitze unternehmen.

Giovanni Atzeni ist damit wieder einmal Bemerkenswertes gelungen. Wieder einmal ein persönlicher Capotto, sein insgesamt vierter, wodurch er alleiniger Rekordhalter ist. Dazu auch noch zweimal in einem Jahr die Cuffia der Nonna weitergegeben, das gab es überhaupt erst einmal in der Geschichte des Palio. Neue Nonna ist damit Chiocciola, die als einzige Contrada noch nicht im 21. Jahrhundert gewonnen hat. Das neue Ziel von Tittia? Der steht bei 13 Erfolgen, nur noch einer fehlt ihm zum großen Aceto. Da der gebürtige Deutsche sechs der letzten 10 Corsi gewonnen hat, ist ihm das sicherlich zuzutrauen. Wobei hier auch angemerkt werden muss, dass es dem Großmeister in letzter Zeit auch an Konkurrenz zu fehlen scheint. So richtig wird er, vor allem innerhalb des Rennens, nicht attackiert, auch am Start lassen die restlichen Fantini ihm seinen Freiraum. Das mag aus taktischer (monetärer) Sicht gerechtfertigt sein, allerdings würde es dem Rennen sicherlich helfen, wenn es noch andere Sieganwärter gäbe. Ausreichend Pferde dafür waren auch dieses Mal wieder am Start. Letztlich würde es auch den Contraden helfen, wenn man sich für einen Sieg nicht nur auf Tittia verlassen muss.

Damit kommen wir zu einem weiteren Aspekt, den wir leider kritisch besprechen müssen. Denn nach dem Zieleinlauf sind Tittia und Anda e Bola mit einem einlaufenden Zuschauer zusammengekracht, anders kann man es nicht sagen. Der Fantino blieb zunächst reglos liegen, musste anschließend mit Rippenbrüchen und Gehirnerschütterung mehrere Tage im Krankenhaus bleiben. Inzwischen ist er auf dem Weg der Besserung (Anda e Bola war schon am gleichen Abend wieder fit), allerdings muss eine Sicherheitsdebatte geführt werden. Bei allen Emotionen, bei allem schönen Chaos, der Aufregung, muss doch ein kleiner Korridor für die einlaufenden Gespanne im Zielbereich gesorgt werden. Schließlich sollen diese auch bis zum Schluss das maximale Tempo gehen. Nicht auszudenken, ein Fantino sollte in einem engen Schlussspurt einmal vorschnell rausnehmen, weil er Angst hat, gleich im Krankenhaus zu landen. Dementsprechend muss sich die Stadt überlegen, wie sie den unmittelbaren Zielbereich zumindest für wenige Augenblicke in den Griff bekommt.

Was bleibt von diesem 18. August? Sicherlich ein weiterer Meilenstein auf der Legendenwerdung von Giovanni Atzeni, dazu die Freude der Nicchiaioli, die lange auf diesen Moment warten mussten. Aber auch die Frage, wer sich traut, den Champion anzugreifen. Wir dürfen damit sehr gespannt sein, was uns nächstes Jahr beim Palio erwartet.